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Erika Steinbach, MdB

Erika Steinbach, MdB

Die Gerufenen, so der Titel unserer Ausstellung hier im Kronprinzenpalais. Die Gerufenen, das sind natürlich auch Sie, die Sie heute an unserer Ausstellungseröffnung teilnehmen. Herzlich Willkommen alle miteinander.

Ein besonderer Gruß gilt dem Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, verbunden mit einem herzlichen Dank für vier Jahre härtester Arbeit um die Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ auf den Weg zu bringen.

Lieber Bernd Neumann, die Weichen sind jetzt gestellt. Das ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN und der Bund der Vertriebenen unterstützen diese Einrichtung voll und ganz, denn sie ist ja unser Kind. Wir werden es sorgsam und wachsam begleiten.

Ich freue mich sehr, dass Sie, lieber Professor Hellmuth Karasek zur Ausstellungseröffnung sprechen. Sie gehören zur illustren Schaar unserer Unterstützer, die in den vergangenen Jahren hilfreich gewirkt hat.

Herzlich willkommen sind die Vertreter des EU-Parlaments, des Deutschen Bundestages und der Landtage sowie die Bürgermeister unserer Patengemeinden. 

Ein besonderer Dank gilt den hilfreichen Unterstützern unserer Ausstellung aus Rumänien, der Ukraine, Ungarn, der Tschechischen und der Slowakischen Republik, aus Polen, Estland, Lettland und Kroatien. Der rumänischen und ukrainischen Botschaft danke für ihre Hilfestellung. Herzlich willkommen sind natürlich auch alle Vertreter der unterschiedlichen Medien.

Wir befinden uns hier in einem Gebäude, das äußerlich einer Großbaustelle gleicht. Diese Anmutung ist geradezu symbolisch für das Thema Vertreibung so wie es in Deutschland seit Jahren verarbeitet wird. Die Wurzeln eines erheblichen Teils unseres Volkes sind in der Breite unbekannt. Mit Mühe und Not verortet man Ostpreußen oder Schlesien als früheres Ostdeutschland. Aber fragen Sie mal nach Karpatendeutschen. – Dazu fällt dem bundesdeutschen Durchschnittsbürger höchstens Dracula ein. 

Als im Mai 2004 der neunte Bundespräsident gewählt wurde, fasste eine Zeitung die zuvor gelaufene mitunter skurrile Debatte unter der Überschrift „Mysterium der Herkunft“ zusammen. Kaum jemand konnte die bessarabischen Wurzeln der Familie Köhler verorten. Die Heimat der Vertriebenen und viel mehr noch ihre Siedlungsgeschichte, die bis tief ins Mittelalter zurückreicht, liegt für die meisten Deutschen im Dunkeln. Diese Dunkelheit wollen wir mit der Ausstellung „Die Gerufenen“ ausleuchten. 

Vor Jahrhunderten sind umwälzende, überwiegend gewaltlose Siedlungsprozesse in Gang gekommen, die das östliche Mitteleuropa und Teile von Ost- und Südosteuropa bis in die Gegenwart prägen. Die Ostsiedlung vollzog sich fast ausschließlich unter den ökonomischen Gesetzen der mittelalterlichen Gesellschaft und ohne äußeren Zwang. Nationale Zielsetzungen spielten dabei keine erkennbare Rolle. In der Neuzeit erfolgten die umfangreichsten Siedlungsbewegungen nicht mehr in Richtung Mittel-, sondern nach Südosteuropa. Einerseits ist erkennbar, dass es noch im 19. Jahrhundert massive Siedlungsbewegungen gegeben hat. Andererseits aber war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Wetterleuchten nationalistischen Denkens sichtbar. Und erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich die Nationalismen gegenseitig auszuschließen. Schließlich wurde die zunehmende Betonung des Nationalstaatsgedankens und der ansteigende Nationalismus zum Problem gerade für die Vielvölkerstaaten. Das blieb auch für Deutsche in diesen Regionen nicht ohne Folgen.  

Nicht wenige Menschen in Deutschland glauben, dass die heute hier lebenden Vertriebenen mit Feuer, Schwert oder Hitlers Panzern ihre Heimat gewaltsam erobert haben. Wir zeigen, dass es sich um eine weitgehend friedliche Besiedlung handelte. Die Menschen wurden gerufen, angeworben, ja angelockt durch mancherlei Vergünstigungen. Unsere Ausstellung umfasst eine Zeitspanne von gut 800 Jahren. Geographisch gelangt halb Europa in das Blickfeld. Es werden Siedlungsgebiete vorgestellt, die außerhalb des 1871 gegründeten Deutschen Reiches liegen. Deutsches Leben in diesen Regionen ist heute weitestgehend Vergangenheit. Die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts mit dem Zerfall der Vielvölkerreiche, mit Nationalsozialismus und Stalinismus hatten daran ihren Anteil. Das kulturelle Erbe lebt hier in Deutschland fort und gehört zum Kulturerbe aller Deutschen. Unsere Ausstellung stellt sich dieser Verantwortung. 

Bevor ich nun das Wort an Staatsminister Bernd Neumann übergebe, bitte ich unsere Ausstellungskuratoren und die Architektin zu mir nach vorne: Wilfried Rogasch, Katharina Klotz und Doris Müller-Toovey. 

Dieses kompetente Trio hat bereits unsere Ausstellung „Erzwungene Wege“ vor drei Jahren mit großer Kompetenz und Erfolg ausgestaltet. Deshalb hat unsere Stiftung auch diese Ausstellung gemeinsam mit Ihnen vorbereitet. 

Die Ausstellungsarchitektur wurde von Angelique Furtwängler geschaffen. Sie ist eine ideale Ergänzung – hin und wieder auch ein notwendiger Kontrapunkt für unser Team. Frank Drauschke hat mit großer Fachkompetenz die interaktive Landkarte zu unserem Thema geschaffen. Da ohne einen guten Graphiker nichts geht, danke ich dem Graphikbüro Dr. Nice. 

Herzlichen Dank allen Schöpfern dieser Ausstellung „Die Gerufenen“.