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Lodz – Das Manchester Polens

Bereits im Mittelalter hatten viele polnische Städte einen hohen deutschen Bevölkerungsanteil, z.B. die Hauptstadt Krakau. Im 19. Jahrhundert zog die Łódźer Region Zuwanderer aus ganz Europa an, darunter Deutsche aus Böhmen, Mähren, Sachsen, Schlesien, Westpreußen, Posen, Hessen, dem Rheinland, Westfalen und Thüringen. Um 1820 wurde eine Reihe von mittelpolnischen Ortschaften per Dekret zu Fabrikstädten erklärt, so auch Łódź, das in den 1830er Jahren die traditionellen Textilzentren der Region Dąbie, Ozorków und Zgierz überholte. Der Rheinländer Friedrich Schlösser errichtete 1817 in Ozorków das erste mittelpolnische Textilgroßunternehmen. In Łódź trug Carl Scheibler entscheidend zum Aufstieg der Stadt zum Zentrum der polnischen Textilindustrie bei.

Wer in Łódź eine Textilfabrik gründete, erhielt gemäß dem Zgierzer Vertrag von 1821 neben kostenlosem Land, Krediten und Steuerermäßigungen auch politische Freiheiten, war vom Militärdienst befreit und konnte Vereine zur Traditionspflege gründen. Die Großindustrialisierung der Region zwischen 1870 und 1914 wurde begünstigt durch einen aufnahmefähigen russischen Markt, die Übernahme westeuropäischer Technologien sowie den Zustrom billiger Arbeitskräfte.

Zwischen 1810 und 1827 lebten in Kongresspolen etwa 50.000 Deutsche, davon fast drei Viertel in der Łódźer Industrieregion.

 

Carl Wilhelm Scheibler (1820-1881)
Die Scheiblerschen Werke in Łódź
Palais Scheibler