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Deutsche im mittleren Donauraum

Nach der militärischen Verdrängung der Osmanen aus Ungarn ab 1683 siedelten die österreichische Regierung und private Grundherren systematisch deutsche Siedler in der Region um die mittlere Donau an. Sie stammten vor allem aus Südwestdeutschland. Die Besiedlung erfolgte in mehreren Wellen („Schwabenzügen“) bis etwa 1790. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde für sie der Begriff „Donauschwaben“ geprägt.

Die sich am Merkantilismus orientierende Politik des Wiener Hofes sah den Staat als Akteur: Planung und Durchführung der Ansiedlung spiegelten die Denkweisen von Rationalismus und Aufklärung. Wien hatte gezielte Erwartungen an die Siedler, nämlich eine Stärkung des absolutistischen und zentralistischen Staates. Das erklärt ihre Auswahl hinsichtlich des konfessionellen, ethnischen und ökonomischen Hintergrundes. Auf dem Reißbrett entstandene Siedlungen, Gehöfte und Kommunalbauten entsprachen den Maßgaben von Normierung und Kontrolle. Bis 1918 gehörten die Gebiete zu Ungarn, danach durch neue Grenzziehung zu Ungarn, Rumänien und Jugoslawien (heute zu Serbien und Kroatien).

Bodenqualität und Bewirtschaftung machten die donauschwäbische Landwirtschaft zur leistungsfähigsten Südosteuropas. Die Donauschwaben waren dafür bekannt, Verfahren und Arbeitsprozesse zu optimieren, neue Technologien frühzeitig anzuwenden und Erträge zu steigern. Auch ländliches Kleingewerbe und städtisches Handwerk zählten zu ihrer ökonomischen Basis. Nach 1867 erfolgte besonders in den Städten eine Magyarisierung der Deutschen. Um 1940 gab es etwa 1,25 Mio. Donauschwaben. In Ungarn und Rumänien gibt es bis heute kleine, in Serbien und Kroatien kleinste Minderheiten von Deutschen.

 

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