HomeEnglishKontaktImpressum

Der Adel im Baltikum

Die deutschen Auswanderer, die sich im Baltikum angesiedelt hatten, entstammten städtischen und ländlichen Eliten. Deutsche Bauern gelangten nicht in das Baltikum. Auf dem Land dominierten darum adelige deutsche Großgrundbesitzer, während die bäuerliche Bevölkerung aus Esten und Letten bestand. Einige deutschbaltische Adelsgeschlechter können ihre Vorfahren bis auf die Zeit um 1200 zurückverfolgen. Oft handelte es sich um die jüngeren Söhne westfälischer und niedersächsischer Familien und deren Nachkommen. Der Adel war in Ritterschaften organisiert – Korporationen mit strengen Aufnahmekriterien. Sie übten vom 16. bis 19. Jahrhundert die Landesherrschaft aus. Ihre wirtschaftliche Grundlage bildete der Großgrundbesitz. Bis heute künden in Estland und Lettland Hunderte von Herrenhäusern vom ökonomischen Erfolg der baltischen Barone.

Baltische Adelige gelangten auch in Militär und Verwaltung des Zarenreiches in einflussreiche Positionen. Der baltische Adel war nicht bildungsfeindlich: Auffallend ist die große Zahl adeliger Gelehrter. In der Revolution von 1905 wurden viele Gutshäuser zerstört. Durch die Landreform in Estland und Lettland nach 1918 verarmten die meisten Adeligen. Viele wanderten schon damals aus.