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Die Anwerbung

Im Mittelalter lag die Umsiedlung von Auswanderungswilligen in den Händen von Lokatoren. Diese Männer handelten im Auftrag von Herrschern und Grundherren. Sie mussten auf eigenes Risiko Anwerbung, Verpflegung und Transport der Siedler organisieren. Am neuen Siedlungsort oblag es ihnen, Land zu vermessen und zuzuweisen. Dafür erhielten sie und ihre Nachkommen abgabenfreies Land, Ämter und Privilegien wie das Schulzenamt oder das Schankrecht. Manche Orte wurden nach Lokatoren benannt, z.B. Hermannstadt in Siebenbürgen.

Im 18. Jahrhundert organisierte die Bürokratie der absolutistischen Staaten die Anwerbung. Österreich und Russland unterhielten in Frankfurt am Main und Ulm Büros zur Anwerbung. Zeitungsinserate priesen das Zielgebiet in den höchsten Tönen. Werber waren in den deutschen Kleinstaaten unbeliebt. Die Landesherren fürchteten die Abwanderung von Betuchten. Nur Arme ließ man gerne ziehen. Einige Fürsten erließen Ausreiseverbote und gaben Warnungen vor übersteigerten Erwartungen aus. In manchen Gebieten konnten sich die Emigrationswilligen freikaufen. Sie erhielten dann Reisepässe. Sogar bargeldloser Zahlungsverkehr, etwa bei Erbschaften, war bereits zwischenstaatlich organisiert.