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Die Gerufenen.

Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa

Wanderung, Niederlassung und Heimischwerden sind zentrale Themen europäischer Geschichte. Die Besiedlung ost- und südosteuropäischer Gegenden seit dem Mittelalter durch deutsche Auswanderer ist Teil dieses Geschehens. Angehörige anderer Völker ließen sich ebenfalls hier nieder. Seit 1683 wanderten Deutsche auch nach Nordamerika aus. Die größten Siedlungsschübe nach Südosteuropa und Russland setzten erst danach ein. Im 19. Jahrhundert kam diese Migration wiederum zugunsten einer millionenfachen Auswanderung nach Übersee zum Erliegen.

Die deutsche Ostsiedlung begann im Mittelalter und erfolgte meist friedlich. Zu ihren Pionieren gehörten die Mönchsorden, insbesondere die Zisterzienser. Bauern, Kaufleute und Handwerker wurden von Herrschern oder lokalen Grundherren angeworben. Strukturschwache Gebiete sollten durch neue Bewohner gefördert, Grenzen gesichert werden. Weitreichende Privilegien dienten als Anreiz. Unterschiedliche Motive bewegten die Menschen dazu, die Heimat zu verlassen und in der Ferne ihr Glück zu suchen.

Die Ausstellung umfasst eine Zeitspanne von 800 Jahren. Geographisch gelangt halb Europa in den Blick: von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und vom Böhmerwald bis zum Kaukasus. Es werden Siedlungsgebiete vorgestellt, in denen Deutsche gemeinsam mit anderen Völkern lebten und die nicht zum 1871 begründeten Deutschen Reich gehörten. Gezeigt werden wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen, die zur Einwanderung reizten, von den Siedlern angestoßen oder verstärkt wurden. In den Siedlungsgebieten entstand eine Vielfalt an städtischen und ländlichen Lebensformen. In den multiethnischen Städten und Landstrichen lebten unterschiedliche Völker, ethnische und religiöse Gruppen über einen langen Zeitraum friedlich zusammen.

Themenschwerpunkte der Ausstellung:

  • Bäderkultur und Waldnutzung in Böhmen
  • Adelige Herrschaft in den baltischen Ländern
  • Christliche Religion und Grenzwehr in Siebenbürgen
  • Die frühneuzeitliche Bergbautechnik in den Westkarpaten
  • Landwirtschaftliche Spezialkulturen im mittleren Donauraum
  • Industrialisierung der Textilproduktion im polnischen Łodź
  • Eisenbahnbau in Litauen
  • städtisches und literarisches Leben in Galizien und der Bukowina
  • Bildungswesen, Religion und Landwirtschaft im Wolga- und Schwarzmeergebiet
  • Weinanbau im Kaukasus